< VHEUTE - Teile aus Linz angeliefert 30.08.2017

Der Beruf war sein Leben

Presse-Artikel "VN": VORARLBERGER, ÜBER DIE MAN SPRICHT. Helmut Schöpf (87)


Helmut Schöpf fuhr 65 Jahre zur See. Der pensionierte Kapitän zeigt ein Foto, das ihn am Ruder der „Österreich“ zeigt.

Das „schönste Bodenseeschiff“ wird restauriert, zur Freude des ehemaligen Kapitäns der „MS Österreich“.

BREGENZ. (VN-kum)

Sie war das erste große Motorschiff auf dem Bodensee, die „MS Österreich“. 1928 fuhr das moderne Passagierschiff zur Jungfernfahrt aus. Während des Krieges wurde das Schiff schwerst beschädigt, aber es wurde instandgesetzt, sodass es 1953 wieder auslaufen konnte. Es tat seinen Dienst bis zum Jahr 2009. Seither liegt es fahruntüchtig in der Werft Fußach. Doch nun hat der Verein „Freundeskreis MuseumsschiffÖsterreich“ begonnen, die Österreich zu restaurieren. Bald soll sie als schwimmendes Museum und als Ausflugsschiff wieder auf dem Bodensee unterwegs sein.

 

Sobald du mit dem Schiff den Hafen verlässt, bist du frei. Helmut Schöpf

 

Das beste Schiff im Sturm

Einen freut das ganz besonders. Der pensionierte Kapitän Helmut Schöpf hat die „Österreich“ viele Jahre gefahren. „Alle Bregenzer Seeleute lieben sie, denn sie war das schönste Schiff auf dem Bodensee und das beste Schiff im Sturm. Aber sie war nicht leicht zu steuern. Die Kapitäne, die sie zum ersten Mal führten, gingen früh schlafen vor lauter Respekt“, erinnert er sich. Als Kapitän steuerte Schöpf alle Schiffe der österreichischen Bodenseeflotte. „Heute fährst du dieses, morgen jenes. Jedes hat seinen eigenen Charakter.“

Das Schicksal wollte es, dass Schöpf Schiffsführer wurde und nicht Friseur. Sein Lehrherr, ein Friseur​meister, schikanierte ihn. „Ich drückte ihm den Besen in die Hand und ging.“ Der 15-jährige Bregenzer traute sich nicht nach Hause und lief zum Hafen. „Dort sagte ein Schiffsbediensteter zu mir: ,Wir brauchen Leute bei der Schifffahrt. Komm zu uns.‘“ So kam es, dass Schöpf 1945 Schiffsjunge wurde bzw. zur See zu fahren begann. Sein Lohn reichte gerade, um sich etwas zu essen zu kaufen. Aber: „Ich lebte mit Hunger.“ In den ersten Jahren musste er hart arbeiten. „Es war eine schwere und schmutzige Arbeit. Wir mussten viel putzen und tonnenweise Kohle aufs Schiff bringen. Damals gab es ja noch Dampfschiffe, die mit Kohle befeuert wurden.“Schöpf arbeitete sich kontinuierlich hinauf. Nach drei Jahren wurde er Matrose und nach sechs Jahren Schiffskassier. „Da wurde das Leben für mich leichter.“ Als Steuermann dachte er zum ersten Mal daran, Schiffsführer zu werden. „Für einen Seemann gibt es nichts Schöneres, als Kapitän auf hoher See zu sein.“ Nachsatz: „Sobald du mit dem Schiff den Hafen verlässt, bist du frei und der Natur und Gott nahe.“ Dort draußen wurde er gläubig. „Bei Sturm, Nebel und Schlechtwetter fängst du an zu beten.“ Er erinnert sich an Unwetter, die 14 Tage dauerten, an eingeschlagene Scheiben und Kabelbrände. Zusammenstöße mit anderen Schiffen blieben ihm glücklicherweise erspart, und das, obwohl der Kapitän viele Jahre ohne die technischen Erfindungen Radar und GPS auskommen musste. „Ich konnte meine Passagiere immer sicher an Land bringen.“ Unter ihnen waren nicht selten illustre Gäste. Schöpf chauffierte Bundespräsidenten über den See, Schauspieler oder Adelige, zum Beispiel Sofia von Spanien.

Seine Liebe zum Beruf war so groß, dass er nach seiner Pensionierung im Jahre 1988 noch mehr als 20 Jahre das private Partyschiff „Elisa“ steuerte. Mit 80 ging er als Kapitän endgültig in Rente. „Ich wusste, dass ich irgendwann aufhören muss. Aber der Abschied vom See war dennoch schmerzhaft“, gesteht er. Die Sehnsucht nach dem Wasser ist geblieben. Der rüstige 87-Jährige stillt sie, indem er jedes Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff mitfährt und ein bis zwei Mal in der Woche mit einem Bodenseeschiff unterwegs ist.

 

Zur Person

Helmut Schöpf

liebte seinen Beruf so sehr, dass er erst mit 80 als Kapitän in Rente ging.

Geboren: 22. April 1930

Ausbildung: Kapitän

Familie: verheiratet, eine Tochter

Hobbys: Spazierengehen, Bootsausflüge